Als Familie mit zwei Kindern im Schulalter haben wir uns ganz bewusst für Teilzeit-Vanlife entschieden. Statt alles aufzugeben und dauerhaft im Wohnmobil zu leben, genießen wir die perfekte Mischung: Schulalltag zu Hause – Freiheit auf vier Rädern in den Ferien. Für uns ist das die ideale Lösung, um Familienleben, Bildung und Abenteuer unter einen Hut zu bringen.
Während andere die Sommerferien im Hotel verbringen, starten wir mit unserem Oldtimer-Camper los – mal ans Meer, mal in die Berge oder einfach dorthin, wo uns der Weg hinführt. Wir lieben die Flexibilität, das einfache Leben unterwegs und die intensive Zeit miteinander. Dabei geht’s nicht um Instagram-Perfektion, sondern um echte Erlebnisse, Zusammenhalt und kleine Alltagsabenteuer, die uns als Familie wachsen lassen.
In diesem Beitrag möchten wir unsere Erfahrungen teilen, ehrlich berichten, was uns bewegt hat, welche Herausforderungen es gibt – und warum Vanlife auch im Teilzeit-Modus absolut bereichernd sein kann.
Unser Anfang: Mit Dachzelt und Familienmut
Unsere Reise ins Vanlife begann – wie bei vielen – mit einem Traum, den wir lange Zeit nur vor uns hergeschoben haben. Schon vor der Corona-Zeit sagten wir oft: „Das wäre was für uns – unterwegs sein, raus in die Natur, frei und unabhängig.“ Doch wie so oft fehlten die finanziellen Mittel für ein eigenes Wohnmobil. Der Gedanke ließ mich trotzdem nicht los. Ich wollte diese Art zu reisen einfach nicht aufgeben.
Während der Corona-Pandemie veränderte sich vieles – auch unsere Perspektive. Ich begann intensiver zu recherchieren und stieß dabei auf Dachzelte als bezahlbare Alternative. Und plötzlich wurde aus dem „Irgendwann“ ein „Warum eigentlich nicht jetzt?“
Unsere erste Tour starteten wir also mit unserem treuen Opel Zafira und einem Vickywood Dachzelt „Big Willow“ für vier Personen. Das war unser Einstieg in die Welt des mobilen Reisens – nicht luxuriös, aber dafür voller Freiheit, Abenteuer und Zusammenhalt. Und es war der Moment, in dem wir wussten: Das ist unser Weg.
Vanlife als Familie: Alltag, Routinen & Herausforderungen unterwegs
Der Alltag im Camper ist anders – langsamer, näher, manchmal chaotisch, aber vor allem intensiv. Die ersten Tage nach dem Start brauchen wir immer etwas Zeit, um wieder richtig ins Leben „on the road“ reinzukommen. Es fühlt sich an wie ein kleines Reset – raus aus dem strukturierten Schul- und Berufsalltag, rein ins spontane, flexible Unterwegssein.
Unsere Tage sind dabei oft ähnlich aufgebaut – ganz nach dem Motto: Struktur, aber locker. In der Regel frühstücken wir gemeinsam, checken unseren Proviant und überlegen, ob es Zeit für einen Ortswechsel ist oder ob wir noch bleiben wollen. Meistens ziehen wir nach 2–3 Tagen weiter – je nachdem, wie wohl wir uns fühlen und was der Stellplatz bietet.
Wenn wir einen neuen Ort ansteuern, machen wir das am liebsten mittags, um noch im Hellen anzukommen. So haben wir genug Zeit, um uns zu orientieren: Wo sind die Toiletten? Gibt’s einen Spielplatz? Wo können wir einkaufen? Zugegeben – das mit dem Timing klappt nicht immer perfekt. Manchmal verschätzen wir uns oder genießen den Vormittag einfach zu sehr. Aber genau das gehört auch dazu: Loslassen, anpassen, lernen.
Zwischendurch erkunden wir die Gegend, die Kids spielen oder entdecken ihre eigene kleine Welt – sei es mit Stöcken, Steinen oder dem nächsten Kletterbaum. Und wenn es regnet, kuscheln wir uns alle zusammen ins Wohnmobil, spielen Karten oder lesen Bücher. Es ist nicht immer einfach auf engem Raum, aber genau diese Nähe macht es auch besonders.
Oldtimer-Vanlife: Wenn das Wohnmobil streikt und das Abenteuer beginnt
Vanlife sieht auf Instagram oft aus wie ein endloser Sommer voller Sonnenuntergänge und Lagerfeuer – und ja, es gibt sie, diese magischen Momente: Wenn wir abends mit den Kindern am See sitzen, über den Tag reden und die Sonne langsam hinter den Bäumen verschwindet. Wenn wir auf einem abgelegenen Stellplatz ganz für uns sind, umgeben von nichts als Natur und Freiheit. Genau für diese Augenblicke leben wir das Vanlife.
Aber – und das ist uns wichtig zu sagen – nicht immer ist alles rosarot. Wir reisen mit einem Oldtimer-Wohnmobil, und da gibt es eben auch die andere Seite: Pannen, Platzmangel, genervte Stimmung. Es reicht schon eine Kleinigkeit, wie ein gerissener Keilriemen in Großbritannien, der uns kurzfristig ausbremst. Oder – wie es uns passiert ist – das Wohnmobil springt in Schweden mitten im Wald einfach nicht mehr an. Dann heißt es: Ruhe bewahren, zusammenhalten und Lösungen finden.
Zum Glück haben wir eine ADAC-Mitgliedschaft, die sich für uns schon mehrfach bezahlt gemacht hat. Ob Abschleppdienst, Hotelübernachtung oder sogar das Taxi zurück in die Zivilisation – all das wurde übernommen. Nur die Reparatur zahlen wir selbst.
Und manchmal halten diese Umwege echte Überraschungen bereit: Durch die Panne in Schweden sind wir zum Beispiel in einem wunderschönen kleinen Ort gelandet, den wir sonst wohl nie entdeckt hätten. Wenn man ehrlich ist, ist eine warme Dusche, ein All-Inclusive-Frühstücksbuffet und ein echtes Bett auch mal eine ziemlich willkommene Abwechslung.
In Norwegen führte uns ein platter Reifen spontan auf eine andere Route – und genau dort fanden wir einen der schönsten Stellplätze unserer gesamten Reise. Wir haben gelernt, immer ein kleines Extra-Budget für solche unerwarteten Ereignisse einzuplanen – und vor allem haben wir gelernt, dass wir als Familie immer gemeinsam Lösungen finden.
Ich wünsche mir, dass unsere Kinder genau das mitnehmen: Dass man nicht immer alles planen kann, aber dass man mit Zusammenhalt, Gelassenheit und einem offenen Blick für das Schöne im Unerwarteten jede Situation meistern kann.
Unsere besten Tipps für den Start ins Abenteuer
Wenn ihr als Familie ins Vanlife starten wollt, können wir euch eines direkt mit auf den Weg geben: Weniger ist mehr. In den ersten Reisen haben wir schnell gemerkt, dass wir längst nicht so viel brauchen, wie wir dachten. Eine minimalistische Packliste mit funktionalen Kleidungsstücken, etwas Küchenzubehör, den wichtigsten Dingen für Hygiene und ein paar persönlichen Lieblingsstücken reicht völlig. Waschen kann man fast überall – ob auf Campingplätzen oder an Waschstationen bei Supermärkten und Tankstellen, zum Beispiel in Frankreich oder Großbritannien.
Für die Kinder braucht es auch nicht viel. Unsere beiden sind viel draußen, lieben Wasser, Natur und Bewegung. Ein paar Kartenspiele, Würfel, Stifte und natürlich das Lieblingskuscheltier – mehr braucht es oft gar nicht. Wir achten bei der Routenplanung darauf, Orte mit Spielplätzen oder Strandnähe zu finden, dort sind sie stundenlang glücklich.
Hier findet ihr ein paar Spiele mit denen wir uns die Zeit bei Regentagen vertreiben.
Unser Reisetempo ist bewusst entspannt. Wir bleiben meist 2–3 Tage an einem Ort und planen genug Pausen ein, vor allem bei längeren Fahrten. So bleibt der Spaß erhalten und niemand ist überfordert – weder Kinder noch Eltern.
Auch finanziell kann Vanlife familienfreundlich sein: Wir vermeiden teure Campingplätze, nutzen öfter kostenlose Stellplätze (wenn es erlaubt ist), kochen selbst und haben gelernt, ein kleines Extra-Budget für Notfälle einzuplanen.
Unser Tipp: Reist zur richtigen Zeit an den richtigen Ort. Im Sommer zieht es uns in kühlere Regionen, im Herbst und Frühling dorthin, wo es noch warm ist. Und egal ob am Wasser oder beim Wandern – gemeinsame Zeit in der Natur ist für uns der größte Luxus.
Fazit: Unser Abenteuer im Vanlife – Eine Reise zu uns selbst
Unser Vanlife-Abenteuer hat uns nicht nur als Familie, sondern auch als Individuen verändert. Mit jedem Kilometer, den wir gefahren sind, haben wir neue Lektionen gelernt – vor allem darüber, was wirklich wichtig ist. Die Freiheit, unterwegs zu sein, das Leben zu vereinfachen und bewusst Zeit miteinander zu verbringen, hat uns gezeigt, dass weniger oft mehr ist. Wir haben gemerkt, dass es nicht immer darum geht, jede Station abzuhaken oder perfekt durchgeplante Reisen zu haben. Im Gegenteil, oft sind es die Umwege, die uns zu den wunderschönsten Orten und den tiefgründigsten Erfahrungen führen.
Hätten wir gewusst, wie viel Spaß und Freiheit es uns bringt, hätten wir das Vanlife schon viel früher angefangen. Und ja, wir würden es immer wieder tun – mit all den Pannen, Herausforderungen und Überraschungen, die dazugehören. Es gibt uns Freiheit, Flexibilität und vor allem gemeinsame Zeit, die wir in unserer schnelllebigen Welt oft zu wenig haben.
Unser Blick auf Konsum hat sich stark verändert. Wir haben festgestellt, dass man für ein glückliches Leben nicht viel braucht. Dinge werden weniger wichtig, wenn man die Zeit mit der Familie und die Natur um sich herum wirklich zu schätzen weiß. Unsere Kinder lernen von uns, dass Erlebnisse und Zusammenhalt viel wertvoller sind als materieller Besitz. Auch wenn es nicht immer einfach ist, den Alltag unterwegs zu organisieren, so ist es doch eine Reise zu mehr Achtsamkeit, Geduld und Abenteuerlust.
Wir sind noch lange nicht müde vom Reisen mit dem Wohnmobil, sondern freuen uns auf die kommenden Etappen. Es ist ein unendliches Lernen, und der Weg ist das Ziel. Unsere Reise geht weiter, und wir wissen, dass noch viele wundervolle Erlebnisse auf uns warten!





